Beim Niesen, Husten oder Lachen etwas Urin zu verlieren, ist in der Schwangerschaft häufig. Hier lesen Sie Ursachen, Alltagstipps und wie Sie Urin von Fruchtwasser unterscheiden.
Ein paar Tropfen Urin beim Niesen, Lachen oder Treppensteigen zu verlieren, kann lästig sein, aber Sie sind nicht allein. In der Schwangerschaft ist das sehr häufig, und bei den meisten bessert es sich nach der Geburt oder lässt deutlich nach.
Warum passiert das?
Die wachsende Gebärmutter drückt auf die Blase. Schwangerschaftshormone lockern außerdem das Gewebe, das Blase und Harnwege stützt. Steigt der Druck im Bauchraum, etwa beim Husten, Niesen, Lachen, Bücken oder Springen, kann der Blasenverschluss nicht mithalten. Man nennt das Belastungsinkontinenz. Sie tritt in der späteren Schwangerschaft und bei weiteren Schwangerschaften häufiger auf.
Urin oder Blasensprung?
Manchmal ist schwer zu sagen, ob es Urin oder das Fruchtwasser ist, das Ihr Baby umgibt. Diese Hinweise können helfen:
- Urin ist meist gelb und riecht deutlich; Fruchtwasser ist meist klar, blass und geruchlos oder riecht leicht süßlich.
- Urinverlust ist kurz und an Momente wie Husten gebunden; Fruchtwasser kann weiterlaufen oder immer wieder kommen.
- Urin lässt sich durch Anspannen der Muskeln stoppen; Fruchtwasser meist nicht.
- Sind Sie unsicher, legen Sie sich mit einer sauberen Einlage hin; wird sie immer wieder nass, warten Sie nicht, sondern melden Sie sich.
Versuchen Sie nicht, allein zu entscheiden. Bei Verdacht auf einen Blasensprung notieren Sie die Uhrzeit und wenden sich an Ihre Ärztin oder Ihre Geburtsklinik. Zu Ausfluss und Blutung lesen Sie den Ratgeber-Artikel „Vaginaler Ausfluss und Blutungen in der Schwangerschaft“.
8 Tipps, die sofort helfen
- Üben Sie regelmäßig Kegel-Übungen; das Kegel-Programm in der App kann Sie begleiten. Mehr im Ratgeber-Artikel „Kegel- und Beckenbodenübungen“.
- Spannen Sie den Beckenboden kurz an, kurz bevor Sie niesen oder husten.
- Entleeren Sie die Blase alle 2–3 Stunden; halten Sie nicht zu lange ein.
- Beugen Sie sich auf der Toilette leicht nach vorn, um die Blase ganz zu leeren.
- Trinken Sie tagsüber nicht weniger; konzentrierter Urin reizt die Blase stärker. Abends können Sie die Menge anpassen.
- Weniger Koffein lindert bei manchen die Blasenreizung.
- Essen Sie ballaststoffreich, um Verstopfung zu vermeiden; Pressen belastet den Beckenboden.
- Eine dünne Einlage oder Ersatzwäsche in der Tasche gibt Sicherheit.
Nach der Geburt
Bei den meisten lässt der Urinverlust in den Wochen und Monaten nach der Geburt nach. Regelmäßige Beckenbodenübungen unterstützen das. Besteht er nach einigen Monaten noch, lohnt sich der Besuch bei Ärztin oder Beckenboden-Physiotherapeutin.
Machen Sie sich keine Vorwürfe
Urinverlust kann peinlich wirken, ist aber kein Makel, sondern ein Zeichen dafür, dass Ihr Körper Schwerstarbeit leistet. Offen mit Ihrer Ärztin oder Hebamme zu sprechen, ist der erste Schritt zur passenden Unterstützung; diese Frage hören sie oft. Wenn Ihnen die Privatsphäre wichtig ist, genügt zu Beginn „Ich möchte etwas fragen“.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
- Flüssigkeit läuft weiter oder kommt wiederholt, die Einlage wird nass und Sie vermuten einen Blasensprung (melden Sie sich ohne Abwarten)
- Die Flüssigkeit ist grün, blutig oder riecht unangenehm
- Sie haben Brennen beim Wasserlassen, häufigen Harndrang, Rückenschmerzen, Fieber oder trüben Urin
- Sie können gar kein Wasser lassen oder die Blase nur schwer leeren
- Der Urinverlust schränkt den Alltag stark ein
- Bei Verdacht auf Blasensprung mit weniger Kindsbewegungen, Bauchschmerzen oder Blutung oder bei Schwindel rufen Sie 112 bzw. die örtliche Notrufnummer
Häufige Fragen
Schadet Urinverlust meinem Baby? Nein, Belastungsinkontinenz schadet dem Baby nicht. Sagen Sie aber bei Infektzeichen Ihrer Ärztin Bescheid.
Beeinflusst die Art der Geburt den Urinverlust? Jeder Geburtsweg verdient Respekt, und Urinverlust kann bei beiden vorkommen. Beckenbodenübungen helfen in jedem Fall.
Ist das dasselbe wie häufiges Wasserlassen? Nein. Zu häufigem Wasserlassen und Brennen lesen Sie den Ratgeber-Artikel zur Harnwegsinfektion.
Dieser Artikel dient der Information; für Ihre persönliche Situation zählt der Rat Ihrer Ärztin oder Hebamme.
Quellen
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme. Im Notfall wählen Sie den Notruf.
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