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Rückenschmerzen in der Schwangerschaft: Ursachen, Linderung im Alltag und Warnzeichen

Belirtiler 6 Min. Lesezeit Aktualisiert:

Rückenschmerzen sind in der Schwangerschaft sehr häufig und hängen mit Schwerpunkt, Hormonen und Alltagsgewohnheiten zusammen. Sie finden Tipps zu Haltung, Schlaf, Heben, Schuhen, Wärme und Stützgürtel sowie Warnzeichen für den Arztbesuch.

Rückenschmerzen sind in der Schwangerschaft so verbreitet, dass sich die meisten irgendwann fragen: „Woher kommt das denn jetzt?“ Während Ihr Bauch wächst, stellt Ihr Körper sein Gleichgewicht ständig neu ein, und der untere Rücken trägt einen großen Teil dieser Last. Das ist oft unangenehm, aber harmlos und lässt sich meist mit kleinen Anpassungen lindern.

Warum entstehen Rückenschmerzen?

Es gibt selten nur eine Ursache; mehrere Faktoren wirken zusammen:

  • Der Körperschwerpunkt verschiebt sich. Die wachsende Gebärmutter verlagert das Gewicht nach vorn, das Hohlkreuz wird stärker und die Rückenmuskulatur arbeitet mehr.
  • Hormone lockern die Bänder. Zur Geburtsvorbereitung wird der Beckenbereich beweglicher, wodurch sich Gelenke weniger stabil anfühlen können.
  • Die Bauchmuskeln dehnen sich. Werden die vorderen Muskeln länger, übernehmen die Rückenmuskeln mehr Arbeit.
  • Haltung und Alltagsgewohnheiten. Langes Stehen, vorgebeugtes Sitzen am Schreibtisch oder eine Tasche auf nur einer Seite können die Beschwerden verstärken.
  • Anspannung und Müdigkeit. Stress und schlechter Schlaf verspannen die Muskeln und lassen Schmerzen stärker wirken.

Die Schmerzen können schon im ersten Trimester beginnen; die meisten spüren sie in der zweiten Hälfte und gegen Abend stärker.

10 Tipps, die sofort helfen

  1. Aufrecht, aber locker stehen. Lassen Sie die Schultern nach hinten und unten sinken, verteilen Sie das Gewicht auf beide Füße und drücken Sie die Knie nicht durch.
  2. In die Hocke gehen statt bücken. Beugen Sie die Knie, halten Sie die Last nah am Körper und heben Sie nicht mit rundem Rücken.
  3. Den unteren Rücken stützen. Legen Sie beim Sitzen ein kleines Kissen oder ein gerolltes Handtuch in die Rückenkurve.
  4. Alle 30–45 Minuten die Position wechseln. Stehen Sie auf, gehen Sie ein paar Schritte und lockern Sie die Schultern.
  5. Flache, stützende Schuhe tragen. Hohe Absätze stören das Gleichgewicht; ein gepolsterter Schuh, der den Fuß umschließt, entlastet.
  6. Auf der Seite mit Kissen schlafen. Ein Kissen zwischen den Knien und bei Bedarf eines unter dem Bauch entlastet den unteren Rücken.
  7. Sanfte Wärme nutzen. Eine warme Dusche oder eine in ein Handtuch gewickelte warme Kompresse für 15–20 Minuten tut vielen gut.
  8. Sanft in Bewegung bleiben. Spaziergänge und Bewegung im Wasser lindern bei vielen die Beschwerden; besprechen Sie die passende Sportart mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
  9. Lasten aufteilen. Tragen Sie zwei leichte Taschen statt einer schweren und geben Sie schwere Arbeiten ab.
  10. Hilfe annehmen. Haushaltsaufgaben zu teilen ist auch eine Wohltat für Ihren Rücken.

Haltung, Heben und Alltagsbewegungen

Kleine Details machen einen Unterschied. Rollen Sie sich beim Aufstehen zuerst auf die Seite, lassen Sie die Beine über die Bettkante sinken und drücken Sie sich mit den Armen hoch; sich aus der Rückenlage gerade aufzusetzen belastet den unteren Rücken. Setzen Sie sich zum Anziehen hin, statt auf einem Bein zu balancieren. Bei Arbeiten im Stehen, etwa beim Kochen, entlastet es die Rückenkurve, wenn ein Fuß auf einem niedrigen Tritt steht. Stellen Sie im Auto den Sitz so ein, dass er den unteren Rücken stützt, und machen Sie auf langen Fahrten Pausen.

Wenn Sie ein Kind oder eine andere schwere Last heben, atmen Sie beim Anheben aus und drehen Sie sich mit den Füßen statt mit dem Oberkörper. Wäschekörbe und Einkäufe in kleinere Portionen aufzuteilen ist die einfachste Lösung.

Schlafumgebung

Wenn die Schmerzen nachts zunehmen, lohnt ein Blick auf das Bett. Die Seitenlage ist für die meisten am bequemsten; ein Kissen zwischen den Knien hält das Becken in einer Linie. Ein dünnes Kissen oder ein Schwangerschaftskissen unter dem Bauch verringert den Zug auf den Rücken. Eine sehr weiche Matratze lässt den Rücken durchhängen, eine sehr harte kann auf die Hüfte drücken; eine dünne Auflage hilft manchmal. Details zur Rückenlage und zu Schlafpositionen finden Sie im Artikel über die Schlafposition im Ratgeber. Steht die Schlaflosigkeit im Vordergrund, gibt es dort auch einen Artikel über Schlafprobleme in der Schwangerschaft.

Wärme, Kälte und Stützgürtel

Wärme entspannt die Muskeln, während Kälte bei stechenden, frischen Schmerzen manchmal angenehmer ist; was Ihnen guttut, finden Sie durch Ausprobieren heraus. Legen Sie keine Wärmequelle direkt auf die Haut, vermeiden Sie Wärme auf dem Bauch und meiden Sie sehr heiße Bäder. Ein Handtuch zwischen Haut und Kompresse ist immer sicherer.

Ein Schwangerschafts-Stützgürtel hilft manchen deutlich und anderen gar nicht. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Physiotherapeutin kann sagen, welches Modell geeignet ist und wie lange Sie es tragen sollten. Ein Gürtel gibt Halt, ersetzt aber keine kräftigenden Übungen.

Physiotherapie und Bewegung

Erschweren die Schmerzen den Alltag, ist ein Termin bei einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten mit Erfahrung in der Schwangerschaft ein sinnvoller Schritt. Sie beurteilen Ihre Haltung, empfehlen passende Kräftigungs- und Dehnübungen und zeigen bei Bedarf Tape- oder Stützmethoden. Die Übungen selbst finden Sie im Ratgeber-Artikel über Übungen bei Rücken- und Beckenschmerzen; wir wiederholen sie hier nicht. Wenn Sie Massage oder Akupunktur in Betracht ziehen, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und wählen Sie jemanden mit Erfahrung in der Schwangerschaft.

Ischias-ähnliche Schmerzen und Beckengürtelschmerz

Bei manchen ziehen die Schmerzen vom Rücken ins Gesäß und an der Rückseite des Beins entlang; bei anderen spürt man sie in der Leiste oder am Steißbein. Werden sie beim Gehen, Treppensteigen, Umdrehen im Bett oder Stehen auf einem Bein stärker, können die Gelenke um das Becken beteiligt sein. Meist sind sie leicht und vorübergehend; trotzdem ist es sinnvoll, sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Physiotherapeutin zu schildern. Bei Taubheit, Schwäche oder plötzlicher Schwere in einem Bein suchen Sie ohne Zögern Rat.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme, wenn:

  • die Schmerzen in regelmäßigen Abständen kommen und gehen, krampfartig sind oder in den Unterbauch ziehen. Vor der 37. Woche kann das ein Zeichen für eine frühe Wehentätigkeit sein.
  • Fieber, Schüttelfrost, Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen in den Flanken (Nierengegend) auftreten.
  • vaginale Blutungen, Fruchtwasserabgang oder deutlich weniger Kindsbewegungen dazukommen.
  • die Schmerzen sehr stark sind, sich durch Ruhe gar nicht bessern oder Sie nachts wecken.
  • Taubheit oder Schwäche in einem Bein, Taubheitsgefühl im Leistenbereich oder ein geschwollenes, gerötetes Bein auftreten.
  • die Schmerzen trotz nicht medikamentöser Maßnahmen Ihren Alltag behindern.

Bei Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm, plötzlichen starken Schmerzen oder Atemnot rufen Sie die 112 bzw. die örtliche Notrufnummer an.

Häufige Fragen

Schaden Rückenschmerzen meinem Baby? Gewöhnliche schwangerschaftsbedingte Rückenschmerzen schaden dem Baby nach bisherigem Wissen nicht. Treten weitere Beschwerden auf, sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Bescheid.

Darf ich eine Wärmflasche benutzen? Eine in ein Handtuch gewickelte warme Kompresse ist für die meisten in Ordnung. Vermeiden Sie sehr heiße Anwendungen und Wärme auf dem Bauch.

Darf ich Schmerzmittel nehmen? Medikamente in der Schwangerschaft hängen von der Person ab; nehmen Sie bitte nicht auf eigene Faust Schmerzmittel, ohne Ihre Ärztin oder Ihren Arzt zu fragen.

Brauche ich unbedingt einen Stützgürtel? Nein. Manchen hilft er, anderen nicht. Sprechen Sie vor dem Ausprobieren mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Physiotherapeutin.

Vergeht es nach der Geburt? Bei den meisten bessert es sich in den Monaten nach der Geburt deutlich. Hält es an, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was auch immer Ihr Rücken gerade macht: Freundlich mit sich zu sein und Hilfe anzunehmen gehört zum Besserwerden dazu; dieser Artikel dient nur der Information, und für Ihre persönliche Situation gilt der Rat Ihres Betreuungsteams.

Quellen

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme. Im Notfall wählen Sie den Notruf.

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